Berufsbild Lektor
Das ist keine Arbeit für jemanden, der nach einem 8-Stunden-Arbeitstag sucht oder keine persönliche Leidenschaft für Literatur hegt. Lektoren sind leidenschaftliche Literaturliebhaber, die ein wahres Interesse am betreffenden Markt haben und ihn ständig im Auge behalten müssen.
Vom Standpunkt eines Autors aus gesehen ist der Lektor zugleich Vertrauter und erster kritischer Leser seiner Arbeit. Außerdem muss der Lektor die Interessen des Autors mit denen des Verlages in Einklang bringen – schließlich sind Verlagen Marketingkonzepte heutzutage nicht mehr fremd. In den meisten Fällen treffen Verleger die Entscheidung bezüglich eines Veröffentlichungsprojektes nicht mehr nur auf der Grundlage ihrer eigenen Erfahrungen. Stattdessen arbeiten sie mit verschiedenen Lektoren zusammen, die auf Fachgebiete spezialisiert sind und dem Verleger Ratschläge geben und Vorschläge unterbreiten.
Diese Entwicklung hat das Berufsbild von Lektoren beeinflusst – neben der Textarbeit beinhalten ihre Aufgaben jetzt auch Projektmanagement, Produktion und Ghostwriting. Zusätzlich zu der ausnahmslosen Arbeit mit Büchern werden heutige Lektoren auch mit CD-ROMs, Webseiten und Datenbanken konfrontiert. Ein anderer wichtiger Aspekt ist, dass feste Arbeitsverträge für Lektoren immer seltener werden. Aufgrund der veränderten Unternehmensstrukturen arbeiten immer mehr Lektoren auf freiberuflicher Basis.
Passt das Buch ins Verlagsprogramm?
Einige der Fragen, denen sich Lektoren bei der Manuskriptauswahl stellen müssen, lauten: Wird die Thematik des Buches mit dem Verlagsprogramm übereinstimmen? Wird es möglich sein, das Projekt in den Programmplan zu integrieren? Ist der vorliegende Text bezüglich Inhalt und Sprache/ Stil makellos? Lektoren betreuen Buchprojekte von der Ideenentwicklung bis zum Verkauf.
Dieser Arbeitsvorgang umfasst ein breit gefächertes Spektrum von verschiedenen Tätigkeiten und Anforderungen. Im Fall eines kleinen Verlages mit einem vielseitigen Programm sind die Aufgaben zwangsläufig anders als bei wissenschaftlichen, Fach- oder Großverlagen. Darüber hinaus ist es wichtig zu beachten, dass die Berufsbezeichnung „Lektor“ auch gebraucht wird, um junge Wissenschaftler zu bezeichnen, denen sprachliche und kulturrelevante Arbeiten an einer ausländischen Universität zugewiesen sind.
Bin ich geeignet?
Die folgenden Kandidaten sind bestens geeignet für diesen Job:
- Germanistik- und Literaturwissenschaft-Absolventen
- Besitzer eines akademischen Grades/ Diploms in Anglistik, Romanistik, Slawistik oder einem anderen philologischen Fachgebiet
- Besitzer eines akademischen Grades/ Diploms in der Buchwissenschaft
- Besitzer eines akademischen Grades/ Diploms in Medien- und Kommunikationswissenschaft
- Besitzer eines akademischen Grades/ Diploms in Buchhandel/ Verlagswirtschaft
- Medienmanagement-Absolventen
- Besitzer eines akademischen Grades/ Diploms in Verlagswirtschaft und Verlagsherstellung
- Abhängig vom Verlag können auch Bewerber mit einem akademischen Abschluss oder Diplom in einer anderen geisteswissenschaftlichen Disziplin und mit zusätzlichen Qualifikationen geeignet sein.
Keine spezielle Ausbildung
Es gibt keine spezielle Ausbildung oder universitäre Studiengänge für Lektoren. Jedoch sind ein akademischer Abschluss, breites Allgemeinwissen und sehr gute Englischkenntnisse heutzutage unentbehrlich. Ein Universitätsstudium in einer philologischen Disziplin ist – wenigstens im Nebenfach – laut den Experten des in Berlin ansässigen Aufbau-Verlags höchst empfehlenswert. Außerdem sind technische Fähigkeiten im Bereich Schriftsetzen, Reprografie und Typografie sowie EDV-Kenntnisse von Vorteil.
Eine hohe Affinität zu Kunst und Kultur ist notwendig, um einer Person bei der Kreation eines Kunstwerkes helfen zu können. Englischkenntnisse z.B. helfen dem Lektor zu beurteilen, ob ein Manuskript es wert ist, übersetzt zu werden. Breites Allgemeinwissen ist unentbehrlich, um die Tatsachen einer Geschichte zu überprüfen und um eventuelle logische Mängel auszumachen.
Lektoren müssen genau arbeiten
Es ist wichtig für Lektoren, genau zu arbeiten. Die Inhalte auf Richtigkeit überprüfen, d.h. die Sachaussagen, Zahlen und Fakten, Sprache und Stil prüfen, eine einheitliche Rechtschreibung garantieren und die Zitate kontrollieren sind nur ein paar der Aufgaben. Darüber hinaus müssen rechtliche und formale Aspekte überprüft werden. Das beinhaltet die Überprüfung der Rechte an Fremdtexten, die Abdruckrechte des Verlages hinsichtlich Illustrationen, die der Verlag beabsichtigt abzudrucken, oder Copyright-Angelegenheiten sowie die Aufbereitung der Bibliografie, Anmerkungen und des Registers.
Die Arbeit am Manuskript wird gemeinsam mit dem Lektor ausgeübt, da die Unterstützung und Beratung des Autors der wichtigste Faktor ist, um ein Buchprojekt zum Erfolg zu machen. Diese Beratung schlägt sich nieder in Form von Vorschlägen zu Themen und von Ratschlägen hinsichtlich der Stilentwicklung, Inhalte und Marktfähigkeit der Texte. Am Ende wird das komplett lektorierte Manuskript sicherheitshalber einem anderen Lektor zum Gegenlesen vorgelegt.
Kontakte zu Autoren, Agenturen, Verlagen und Zeitschriften
Lektoren halten jedoch nicht nur Kontakt mit Autoren, sondern auch mit Agenturen, anderen Verlagen und Literaturzeitschriften. Zu diesem Zweck brauchen sie einen guten Spürsinn für den Literaturmarkt und die Öffentlichkeitsarbeit, Marketing-Know-how und natürlich kommunikative Fähigkeiten. Das Suchen und Finden neuer Autoren ist vor der eigentlichen Textarbeit außerordentlich wichtig.
Die Art der Qualifikation eines Lektors hängt sehr stark vom zukünftigen Arbeitgeber ab, da Buchverlage, Audioverlage und andere Medienanstalten verschiedene Anforderungen stellen. Ob ein philologischer Studiengang, eine Kulturwissenschaft oder gleich ein zielgerichteter Studiengang gewählt wird – letztendlich ist die geforderte Vorbildung vom Tätigkeitsbereich des zukünftigen Arbeitgebers abhängig.
Weiterbildung – wie und wo?
Ein Universitätsstudium ist unbedingt notwendig, wenn jemand vorhat, als Lektor zu arbeiten. Jedoch gibt es Weiterbildungskurse für Lektoren mit Themen wie Arbeit am Manuskript, Titelfindung, Lektorat von Übersetzungen, Neue Medien für Lektoren, Literaturkritik oder freie Lektoratsarbeit. Diese Kurse werden von der Akademie des Deutschen Buchhandels GbR in München und der Medienakademie in Berlin angeboten. Die meisten Jobmöglichkeiten gibt es bei Verlagen und Hörbuchverlagen.



