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Berufsbild Übersetzer und Dolmetscher

Wann immer hochrangige Politiker Besuch vom Staatsoberhaupt eines anderen Landes bekommen, werden sie von einer fast unsichtbaren Person begleitet – dem Dolmetscher, der hinter seiner „Zuhörerschaft“ steht und eine mündliche Simultanübersetzung von dem flüstert, was der jeweilige Sprecher gerade gesagt hat.

Übersetzer und Dolmetscher sind die Experten, wenn es um das Übertragen von Gesprochenem und Geschriebenem in eine andere Sprache geht. Sie sind diejenigen, die es Kunden und Geschäftspartnern, die nicht dieselbe Sprache sprechen, ermöglichen miteinander zu kommunizieren.

Während früher der Schwerpunkt im Übersetzen der Literatur in eine andere Sprache lag, ist in der heutigen globalisierten Welt die Bereitstellung einer großen Anzahl an Dienstleistungen ohne ein ganzes Team von Übersetzern praktisch undenkbar. Wirtschaft, Technik, internationaler Rechtsverkehr oder, wie in der Vergangenheit, die große Weltliteratur – ohne das Expertenwissen und die linguistischen Fähigkeiten von Dolmetschern und Übersetzern, die die Lücke zwischen den Sprachen und folglich zwischen den Kulturen überwinden, würde vieles unverstanden bleiben.

Gute Arbeit, gute Möglichkeiten

Allerdings muss dazugesagt werden, dass ein erfolgreicher Übersetzer heutzutage mehr braucht als nur gute Sprachkenntnisse – technische Kompetenz, IT-Fachwissen, grundlegende Sachkenntnis der Betriebswirtschaft und Schlüsselqualifikationen („Soft Skills“), wie die Fähigkeit im Team und unter stressigen Bedingungen zu arbeiten, sind nur ein paar charakteristische Merkmale eines guten Übersetzers. Diese Angaben lassen sich in einem Bericht von Transforum finden, einer unabhängigen Arbeitsgruppe, deren Mitglieder danach streben, den Wissenstransfer zwischen Lehre und Praxis im Übersetzungsgeschäft zu fördern.

Gute Übersetzer werden mehr Auftragsangebote bekommen als sie bewältigen können, während schlechte Übersetzer oft nichts zu tun haben werden. Je mehr die Globalisierung der Wirtschaft voranschreitet, desto größer der Bedarf an Übersetzern und Dolmetschern, auch in den „exotischen“ Sprachen.
Wichtig ist jedoch, Fuß auf dem Markt zu fassen und auf dem neuesten Stand zu bleiben.

Bin ich geeignet?

Übersetzer und Dolmetscher müssen nicht nur die jeweiligen Fremdsprachen ausgezeichnet beherrschen, sondern auch mit der Kultur und Geschichte der entsprechenden Länder vertraut sein und sie verstehen und begreifen. Außerdem müssen sie sicher im Umgang mit den typischen Kommunikationsmustern sein. Somit sind die Bedingungen für ein erfolgreiches Berufsleben als Dolmetscher oder Übersetzer eine gute Allgemeinbildung, ein sicherer Umgang mit Muttersprache und Fremdsprache, Wissen um den kulturellen Kontext anderer Länder, fundiertes Fachwissen und die Fähigkeit Fachtexte in einer anderen Sprache zweckmäßig und zielgruppenorientiert zu kommunizieren. Ebenso ist methodisches Wissen unentbehrlich, um mit Problemen, die typischerweise beim Übersetzen und Dolmetschen auftreten, umzugehen. Da Dolmetscher und Übersetzer hauptsächlich freiberuflich arbeiten, müssen sie das nötige Durchhaltevermögen haben, um auf dem Markt erfolgreich zu sein.

Die folgenden Kandidaten sind bestens geeignet für diesen Job:

  • Diejenigen mit einem Diplom, B.A.- oder M.A.-Abschluss im Übersetzen
  • Besitzer eines Diploms im technischen Übersetzen
  • Quereinsteiger mit ausgezeichnetem Fachwissen und hervorragenden Fremdsprachenkenntnissen

Welche Fähigkeiten werden von Übersetzern und Dolmetschern erwartet?

Während Dolmetscher gesprochene Worte mündlich übertragen, sind Übersetzer für die Wiedergabe schriftlicher Texte in einer anderen Sprache verantwortlich. Dolmetscher arbeiten bei Sitzungen und Konferenzen, übertragen das im Rahmen von Geschäftsverhandlungen oder vor Gericht Gesagte und sind an der Seite von Promis oder Politikern anzutreffen, wenn letztere sich den Medien stellen. Darüber hinaus kommt es oft vor, dass Dolmetscher für die Organisation eines ganzen Teams einschließlich der entsprechenden Technik für eine Konferenz zuständig sind.
In diesem Berufsfeld sind ein erfahrenes und intellektuelles Auftreten und Verhalten sowie ein sehr großes Allgemeinwissen besonders wichtig. Weiterhin sind sorgfältige Vorbereitungen vor dem eigentlichen Ereignis notwendig, sodass der Dolmetscher mit dem entsprechenden Thema absolut vertraut ist. Das kann Einsicht in die offiziellen Dokumente und vorbereitende Gespräche beinhalten. In seiner eigentlichen Arbeitssituation ist der Dolmetscher auf seine mentalen Ressourcen angewiesen, d.h. auf sein im Gehirn verankertes Wissen. Keine einfache Aufgabe – innerhalb eines Augenblicks muss der Dolmetscher die Aussagen im jeweiligen Kontext korrekt aufnehmen und in eine andere Sprache kommunizieren, praktisch ohne die Möglichkeit Änderungen vorzunehmen.

Übertragung des gesprochenen und des geschriebenen Wortes

Dolmetscher üben ihre Arbeit auf zwei verschiedene Arten aus – entweder simultan oder konsekutiv. Das Simultandolmetschen bezeichnet das beinahe simultane Flüstern des Gesagten in die Zielsprache, was live oder über die entsprechende technische Ausrüstung geschieht. Im Falle von Live-Übertragungen tritt der Dolmetscher zusammen mit den Sprechern auf; im Falle der Übertragung mittels technischer Ausrüstung sitzt der Dolmetscher abseits der Sprecher, wo jedoch sichergestellt ist, dass Sprecher und Gäste die sofortige Übersetzung über einen winzigen Knopf im Ohr erhalten. Konsekutivdolmetschen bedeutet, dass die Inhalte einer Rede in der anderen Sprache wiedergegeben werden, nachdem der Sprecher seinen Vortrag beendet hat.

Übersetzer wiederum sind für das geschriebene Wort zuständig. Von einem qualifizierten Übersetzer wird erwartet, dass er den vorliegenden Text sorgfältig analysiert, sich den Zweck der Übersetzung vor Augen hält und anschließend eine zielgruppenorientierte Übersetzung erstellt.
Deshalb muss ein Übersetzer nicht nur die Bedeutung einzelner Wörter erfassen, sondern auch eventuell versteckte Bedeutungen und stilistische Merkmale berücksichtigen, um den jeweiligen Sprachhintergrund zu verstehen und zu beachten.

Ein breites Aufgabenspektrum

Das Aufgabenspektrum eines Übersetzers beinhaltet alles von der Übersetzung von Zeugnissen über jegliche Arten von Fachtexten bis zur Übersetzung von Belletristik. Jedoch sind Übersetzer, die mehrere verschiedene Sprachen beherrschen, nicht unbedingt im Vorteil. Mehr Sprachen bedeuten nicht gleich mehr Arbeit. Um erfolgreich zu sein, ist es vorteilhaft sich in einem bestimmten Fachgebiet zu spezialisieren.
Von entscheidender Bedeutung ist es auch, effizient mit elektronischen Hilfsmitteln wie Terminologieverwaltungssystemen, Desktop Publishing-Programmen und Translation-Memory-Systemen umgehen zu können.

Mittlerweile nehmen technische Übersetzungen einen zunehmend größeren Teil des Übersetzungsmarktes ein. Bedienungsanleitungen für Autos oder technische Geräte, Dokumentationen oder die Anpassung von Computersoftware stellen auch viel Arbeit für Übersetzer dar. Besonders Bereiche wie die genannten verlangen gute Kenntnisse der Sprachmuster der entsprechenden Länder und, vielleicht noch wichtiger, gründliches Fachwissen über das Thema. Letztendlich wird jemand, der versucht einen Text über Halbleitertechnologie zu übersetzen ohne den Inhalt zu verstehen, keine qualitativ hochwertige Übersetzung liefern.

Auf dem Markt Fuß fassen

Abgesehen von den beruflichen Qualifikationen müssen Übersetzer und Dolmetscher das nötige Durchhaltevermögen haben, um auf dem Markt Fuß zu fassen, da immer mehr von ihnen auf freiberuflicher Basis arbeiten. Neben sprachlichen Fähigkeiten und Fachwissen sind sehr viele andere Fertigkeiten unentbehrlich, wenn es darauf ankommt ein selbstständiger Unternehmer zu sein. Kenntnisse der Kostenkalkulation, Werbung neuer Kunden und Vertrautheit mit den Grundlagen des Vertragsgesetzes sind nur ein paar der Voraussetzungen, die den Weg zum Erfolg bereiten.

Das Einkommen hängt nicht grundsätzlich von der Sprache ab, sondern von der Qualifizierung und Spezialisierung eines Übersetzers auf bestimmten Fachgebieten. Die Einkommenssätze werden von Angebot und Nachfrage bestimmt. Diejenigen, die mit „exotischen” Sprachen arbeiten, z.B. Afrikaans oder Vietnamesisch, haben weniger Konkurrenten und können somit normalerweise höhere Preise verlangen. Jedoch ist dies nur ein Vorteil für Freiberufler. Übersetzer, die einen Arbeitgeber suchen, d.h. eine regelmäßige Vollzeitbeschäftigung, haben wegen der begrenzten Nachfrage hingegen eher einen Nachteil davon.

Typisch...

Übersetzer erstellen schriftliche Übersetzungen von allen Textarten aus den Fremdsprachen in die Muttersprache – oder umgekehrt. Dolmetscher erstellen simultan oder konsekutiv mündliche Übersetzungen von gesprochener Sprache.

Wo erlange ich eine Qualifikation?

Im Allgemeinen ist das gute Beherrschen einer Fremdsprache oder die Tatsache, zweisprachig aufgewachsen zu sein, nicht ausreichend. Akademische Grade (B.A./ M.A.) bzw. Diplome im Übersetzen oder Dolmetschen können an verschiedenen Universitäten und Fachhochschulen erlangt werden. Wer die nötigen Fähigkeiten ohne ein Studium an einer Universität gewinnen konnte, hat in den meisten Bundesländern die Möglichkeit eine staatliche Prüfung abzulegen.

Immer mehr Studienfächer zur Auswahl

Modul-Studiengänge (B.A./ M.A.) für Übersetzer und Dolmetscher sind zurzeit an deutschen Universitäten in Vorbereitung und sollen bis 2010 eingeführt werden. Diese Entwicklung wird eine ganz neue Bandbreite an Möglichkeiten und Chancen schaffen.

Manche Studiengänge bieten eine breite Allgemeinbildung, während in anderen eine frühe Spezialisierung der Studenten auf einem bestimmten Fachgebiet verlangt wird. Das Studienangebot an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf beinhaltet z.B. einen Studiengang „Literaturübersetzen“ und an der Fachhochschule Flensburg können Studenten „Internationale Fachkommunikation“ studieren. Einige der Kurse werden an unabhängigen Instituten, in Sprachenabteilungen oder im Fachbereich für Kommunikation und Medien abgehalten. Neben vier anderen bayerischen Akademien hat sich das private Sprachen & Dolmetscher Institut München (SDI) einen Namen gemacht.

Wo und wie kann ich Weiterbildungsmöglichkeiten wahrnehmen?

Dank der Einführung von B.A.- und M.A.-Studiengängen an deutschen Universitäten werden Studenten in den kommenden Jahren eine zunehmende Anzahl von Weiterbildungsmöglichkeiten zur Auswahl haben. Zusätzlich gibt es sehr viele private Einrichtungen, die Kurse anbieten, durch die bestehende Fähigkeiten verbessert oder neue hinzugewonnen werden sollen.

Wer sind meine potentiellen Arbeitgeber?

Sowohl Industrie als auch Behörden bieten Beschäftigungsmöglichkeiten für Übersetzer und Dolmetscher an. Der Mehrheit von ihnen arbeitet auf freiberuflicher Basis, häufig in Zusammenarbeit mit Behörden, Organisationen, Übersetzungsdienstleistern oder mit Agenturen für Medien und Kommunikation. Um als Freiberufler erfolgreich zu sein sind allgemeine Sprachkenntnisse und die Fähigkeit, Netzwerke zu erstellen sowie neue Kunden zu werben, unentbehrliche Voraussetzungen.