Sizilianisch wird von fünf Millionen Sprechern in erster Linie in Sizilien, aber auch in den Regionen Apulien, Kalabrien und Kampanien gesprochen.
Hinzu kommt eine schwer abzuschätzende Zahl an Auswanderern in aller Welt, es wird hierbei eine Zahl zwischen zwei und fünf Millionen Sprechern angenommen.
In der italienischen Sprachwissenschaft wird das Sizilianische gewöhnlich als italienischer Dialekt betrachtet.
Gelegentlich findet sich aber auch eine Einordnung als Einzelsprache, die vor allem auf dem starken sprachlichen Abstand zum Italienischen basiert, z. B. kennt das Sizilianische keine Futurformen.
Ethnologue klassifiziert das Sizilianische als Sprache und hat ihm den SIL-Code SCN zugewiesen.
Es verfügt über eine lange Tradition als Literatursprache.
Welchen Ursprungs war die sizilianische Sprache?
Es ist bewiesen, dass die ersten Ureinwohner, die einen gewissen Zivilisationsgrad erreichten, die Sikaner waren, ein Volk, das vermutlich von der iberischen Halbinsel stammte.
Danach ließen sich die Sikuler nieder, ein Volk von der italienischen Halbinsel (Ligurien). Man erkennt ganz deutlich die indoeuropäische Herkunft der Sikuler, anhand der Sprache, deren Basis sie hinterließen.
Nicht zu vergessen sind die Elymer, ein friedliches Volk von Bauern und Schäfern dessen Ursprung in Lybien zu finden ist.
Seit dem 8. Jh. v. Chr. wurde Sizilien von unzähligen Orden von Eindringlichen, mit ganz unterschiedlichen Idiomen, unterminiert: Griechen, Phönizier, Karthager, Hunnen, germanische Wandalen, Goten aus Schweden, Araber, Byzantiner, Normannen bis zu den Stauffern aus Schwaben.
Es folgten die Römer, die Anjous, die Savoyer, die Aragoneser, die Spanier und schließlich die Österreicher, die Bourbonen, die Franzosen und sogar die Engländer.
Daraus erschließt sich leicht, in welchem Maße sich die sizilianische Sprache durch diese Einflüsse entwickelt hat so wie sie heute gesprochen und geschrieben wird.
Das Lateinische prägte entscheidend die sizilianischen Dialektvarianten, obwohl das Griechische bereits zwei Jahrhunderte vor der römischen Eroberung sehr verbreitet war.
Man kann also zusammenfassen, dass sich auf Sizilien, durch die mannigfaltigen Völker, ganz von selbst eine kosmopolitische Sprache entwickelt hat.
Somit vereinigt Sizilien, vom Festland oft verschmäht und nur als letztes Zipfelchen Italiens betrachtet, als „Ende des Stiefels“, in seiner Sprache doch die Welt in sich.
Aufgrund der verbreiteten Auswanderung, die in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts einsetzte, wurde die sizilianische Sprache über die Grenzen Italiens hinweg exportiert.
So finden sich heutzutage vor allem in Australien, Argentinien, Belgien, Deutschland, Frankreich, Kanada und den USA zahlreiche Sizilianisch sprechende Personen.
Obwohl es mehrere Millionen Sprecher der sizilianischen Sprache gibt, von denen ein Großteil sie sogar als Muttersprache spricht, spielt die Sprache heutzutage nur eine untergeordnete Rolle im öffentlichen Leben.
Sizilianisch wird nicht in der Schule gelehrt, ist nicht Amtssprache in Sizilien und wird außerhalb des familiären Umfeldes praktisch kaum benutzt.
Trotzdem ist Sizilianisch laut UNESCO in absehbarer Zeit nicht vom Aussterben bedroht.
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