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Unübersetzbarkeit

Wenn für einen Text oder eine beliebige Äußerung in einer Sprache kein Äquivalent in einer anderen Sprache existiert, wird dies als Unübersetzbarkeit bezeichnet.

Ist nichts übersetzbar?

Einigen Theorien zufolge ist prinzipiell nichts übersetzbar: Sprachen seien in so hohem Maße an die Kulturen, in denen sie verwendet werden, gebunden, dass man sogar davon ausgehen könne, dass es in keinem Sprachenpaar äquivalente Begriffe gebe (vgl. z.B. Sapir-Whorf-Hypothese). Susan Bassnett nennt in der italienischen Ausgabe ihres Buches Translation Studies aus dem Jahre 1980 (La traduzione: teorie e pratica, übersetzt von Genziana Bandini, 1993) das Beispiel des englischen Begriffs butter und seiner italienischen Übersetzung burro, die beide in der jeweiligen Kultur ein essbares Molkereiprodukt bezeichnen, das in Form eines Stücks Fett verkauft wird. Dennoch ist es falsch zu behaupten, burro und butter hätten in beiden kulturellen Kontexten dieselbe Bedeutung, da tatsächlich die folgenden Unterschiede bestehen:

 

burro
-------------------->
butter
helle Farbe

sattgelbe Farbe
süßlicher Geschmack

salziger Geschmack
Verwendung beim
Kochen

Verwendung als Brotaufstrich
(bread and butter)
keine soziale
Konnotation

gehobene soziale Konnotation
(im Gegensatz zu der weniger
vornehmen Margarine)

 

Vertreter der Unübersetzbarkeitstheorie, insbesondere im Bereich der literarischen Übersetzung, waren Benedetto Croce und Eugenio Montale.

Theorie und Praxis

Im Gegensatz zur Theorie werden in der Praxis ständig Texte von einer Sprache in eine andere übersetzt, ungeachtet dessen, ob sie als übersetzbar oder unübersetzbar gelten. Je nach Genre und nach Erfahrung und Fähigkeiten des Übersetzers sind Texte mehr oder minder schwierig zu übersetzen.

Wenn ein Text oder eine Äußerung als „unübersetzbar“ angesehen wird, soll häufig eher auf eine „Lücke“ hingewiesen werden, also auf das Fehlen eines entsprechenden Wortes oder Ausdrucks in der Zielsprache.

Um diese Lücke zu füllen kann sich der Übersetzer verschiedener Übersetzungsverfahren bedienen.

Übersetzungsverfahren

Zu den Übersetzungsverfahren, die der Übersetzer anwenden kann, um der Unübersetzbarkeit zu entgegenzuwirken, gehören die folgenden:

Bearbeitung

Eine Bearbeitung, auch „freie Übersetzung“ genannt, ist ein Übersetzungsverfahren, bei dem der Übersetzer soziale oder kulturelle Realien des Ausgangstextes mit entsprechenden Realien im Zieltext ersetzt, die besser an das Publikum des Zieltextes angepasst sind.

In der englischen Übersetzung des belgischen Comics Les Aventures de Tintin et Milou z.B. wird Milou, der tierische Freund von Tintin, zu Snowy; in der niederländischen Version heißt er Bobby. Ebenso werden die Detektive Dupond und Dupont im Englischen zu Thomson und Thompson, im Niederländischen zu Jansen und Janssen, im Deutschen zu Schultze und Schulze usw.

Als der Quebecer Dramaturg Michel Tremblay das Stück L'ispettore generale von Gogol unter dem Namen Le gars de Québec inszenierte, verlegte er die Handlung aus Russland in seine Heimatregion.
Bei der Übersetzung von Gedichten, Theaterstücken und Werbetexten kommt es häufig zu Bearbeitungen.

Lehnübersetzung

Eine Lehnübersetzung ist ein Übersetzungsverfahren, mit dem der Übersetzer einen Ausdruck (manchmal auch ein einzelnes Wort) wortgetreu in die Zielsprache übersetzt, ihn also Wort für Wort übernimmt.

Ersatz eines Ausdrucks

Ein Ersatz ist ein Übersetzungsverfahren, mit dem der Übersetzer stilistische Schwierigkeiten des Ausgangstextes umgehen kann, indem er entsprechende stilistische Effekte an anderen Stellen des Zieltextes einfügt.

Viele Sprachen verwenden z.B. zwei Formen von Pronomen für die zweite Person, eine informelle und eine formelle (frz. tu und vous, span. tú und Usted, dt. du und Sie, um nur einige Beispiele zu nennen). Im Englischen wird nur äußerst selten zwischen du und Sie unterschieden, weswegen der Übersetzer dies anders wiedergeben muss, indem er entweder Eigennamen oder Spitznamen verwendet, oder syntaktische Konstruktionen, die im Englischen als informell angesehen werden (I'm, you're, gonna, dontcha, etc.).

Entlehnung

Eine Entlehnung ist ein Übersetzungsverfahren, bei dem der Übersetzer ein Wort oder einen Ausdruck aus dem Ausgangstext unverändert in den Zieltext übernimmt.

Eine Entlehnung wird üblicherweise kursiv gesetzt, sofern es in der Zielsprache nicht als in den Wortschatz integriert gilt.

Umschreibung

Eine Umschreibung (auch Periphrase) ist ein Übersetzungsverfahren, bei dem der Übersetzer einen Begriff des Ausgangstextes in der Zielsprache mit mehreren Worten oder einer Wendung wiedergibt.

Anmerkung des Übersetzers

Eine Anmerkung des Übersetzers ist eine Erläuterung, in der Regel als Fußnote, die der Übersetzer einfügt, um Angaben über die Grenzen einer Übersetzung oder die Ausgangskultur zu machen bzw. andere Informationen zu geben, die er als hilfreich erachtet.

Diese Anmerkungen sind bei Prüfungen im Bereich Übersetzung zum Teil erlaubt und zum Teil erwünscht. Dennoch wird eine Anmerkung von vielen professionellen Übersetzern als Eingeständnis des Scheiterns angesehen.

Die Unübersetzbarkeit von Gedichten und Wortspielen

Zwei Bereiche, in denen die Texte nur wenig davon entfernt sind, unübersetzbar zu sein, sind Gedichte und Wortspiele: Gedichte wegen der Bedeutsamkeit des Reimes und der Rhythmik der Ausgangssprache; Wortspiele, da sie eng mit der Ausgangssprache verbunden sind.

Dennoch können in solchen Fällen einige der erwähnten Übersetzungsverfahren angewandt werden. Ein Übersetzer kann z.B. ein neues Wortspiel an einer anderen Stelle des Textes einfügen, um ein „unübersetzbares“ Wortspiel „zu ersetzen“.